Berlin Fashion Week
Dienstag, den 22. Juli 2008Unrath & Strano 18_07_08
Most of it too colourful and flamboyant for my personal taste, but there have been also some very nice plain dresses…


Unrath & Strano 18_07_08
Most of it too colourful and flamboyant for my personal taste, but there have been also some very nice plain dresses…


Scherer Gonzáles 19_07_08
A little late, I know, but there was so much to do during the Fashion Week! Nevertheless I do not want to deprive you of those photos. I expect during the show everybody was only looking at those skyscraper high plexiglas heels with lily blossoms in them, waiting for one of the models to fall. And they were sliding, sliping, but as if by a miracle nobody fell…

Underground Catwalk, U5, 17.07.08
A glance to the right and the avalanche lets go. A mountainside of Tommy coming down in her head. My god, don’t they know? This stuff is simulacra of simulacra of simulacra. A diluted tincture of Ralph Lauren, who had himself diluted the glory days of Brooks Brothers, who themselves had stepped on the product of Jermyn Street and Savile Row, flavoring their ready-to-wear with liberal lashings of polo-kit and regimental stripes.
But Tommy surely is the null point, the black hole. There must be some Tommy Hilfiger event-horizon, beyond which it is impossible to be more derivative, more removed from the source, more devoid of soul. Or so she hopes, and doesn’t know, but suspects in her heart that this in fact is what accounts for his long ubiquity.
William Gibson_Pattern Recognition_p.18_l.6
Foto: Gloria N., Fotocommunity.de
Was macht ein Mädchen zur Frau?
Die erste Periode? Der erste Kuss? Das erste Mal? Alles Quatsch. Der erste Bikini ist es. Kein ekliger Schulschwimm-Badeanzug. Kein Kinder-Bustier. Nein, ein richtiger Bikini muss es sein, mit Bügel-BH-Oberteil und, wichtiger noch: mit schon ein bisschen was drin, was diese Bügel stützen können. Der erste Bikini ist wie ein Initiationsritus im Leben einer Frau.
90-60-90-Nicki vs. Die dicke Manuela
Der erste Kuss, das erste Mal – beides folgte bei mir ziemlich unmittelbar auf den ersten Bikini. Ohne den hätte das gar nicht geklappt, damals, mit 14 im Freibad. Zu dritt haben wir auf dem Beckenrand gehockt und Jungs beobachtet: 90-60-90-Nicki links, mit langen blonden Haaren und einfach zum Anbeißen in ihrem knappen Zweiteiler. Rechts die dicke Manuela, käsig und in einem geblümten Badezelt. Ich in der Mitte – und auch figürlich dazwischen. Näher an Nicki zum Glück. In einem quietschgelben Push-up, dessen Oberteil ich absichtlich zwei Nummern zu klein gekauft hatte, um meine erst rudimentär entwickelten Mini-Brüste zu einem ansehlichen Dekolleté hoch zu quetschen. Der Effekt war verblüffend. Keine Stunde später hatte ich meinen allerersten Freund an der Angel – der Bikini war der Beginn meines Lebens als Frau.
Fame & Glory
Für weibliche Erwachsene bleibt die Badeklamotte wichtig bis unentbehrlich, je nach Berufsgruppe. Der Schauspielerin Ursula Andress verschaffte sie 1962 in „James Bond jagt Dr. No“ den internationalen Durchbruch. Ihre Kollegin Gloria Hendry machte sie elf Jahre später ebenfalls zum Star: als böses Bond Girl in „Leben und sterben lassen“ – mit Afro, Uzi und einem Triangel-Bikini. Bei Brooke Shields lief es ähnlich: 1985 plantschte die damals erst 15jährige nur mit ein paar Stoffdreiecken bekleidet in der „blauen Lagune“ – und galt fortan als das Gesicht der 80er. Noch erotischer war nur Salma Hayek in Quentin Tarantinos trashigem Splatter-Klopper „From Dusk till Dawn“ von 1996. Hayeks legendärer Tanz zu Tito y Tarantula’s „After Dark“ mit nichts an als einem dunkelroten Zweiteiler und einer Schlange um den Hals machte Männer wahnsinnig und Frauen lesbisch. Auch sie stieg durch die Szene auf in den Olymp der Hollywood-Darlings – absolut verdient.
Eine hübsche Frau plus ein Bikini gleich Ruhm und Ehre? Die Rechnung geht nicht immer auf. In „Diamonds are forever“ von 1971 würgte Sean Connery eine brünette Bikini-Schönheit der Gegenseite mit ihrem eigenen Oberteil – den Namen der Dame kennen wir heute gar nicht mehr. Der Badefetzen kann sich durchaus zum Boomerang entwickeln. Das wissen vor allem Prominente, die in den Boulevard-Blättern dieser Welt jedes Jahr im Sommer wieder mehr oder weniger vorteilhafte Paparazzi-Fotos von sich am Strand entdecken.
Unterschätze nie den Bikini!
Mit dem Bikini ist das ja so eine Sache. Entweder man kann. Oder man kann nicht. Dazwischen gibt es nichts. Wer nicht kann, weicht meistens auf den Badeanzug aus. Der ist aber auch nicht vorteilhafter. Es sei denn, die Trägerin hat einen kleinen Bauch und sieht ansonsten ganz ordentlich aus – dann ist der Einteiler gut. Aber auch nur dann. Nun ist das ja manchmal so, dass man vielleicht nicht kann, aber trotzdem will. In dem Fall legt man sich am besten an den Timmendorfer Strand. Zwischen den walfischförmigen Omis fällt man gar nicht weiter auf. Da ist es dann auch egal, was man trägt. Wer sich irgendwo anders sonnen möchte, der sei gewarnt: Unterschätze niemals die Macht des Bikinis. Die dicke Manuela ist übrigens heute noch Jungfrau.

Bildquelle: “Emo”, Fotocommunity, Fotograf: Nachtschicht
„Igitt, du bist ja voll der Emo!“ , kommentierte ein Bekannter neulich die Tatsache, dass ich auf meinem Blog auch Gedichte veröffentliche. Hm. Emos sind dem Cliché nach Jugendliche mit schwarz-pink gefärbten und asymmetrisch geschnittenen Haaren, die in der Öffentlichkeit weinen und sich kleiden wie depressive Mangafiguren. Ich bin definitiv kein Emo. Ich will auch keiner sein. Seinen Weltschmerz auf diese Weise nach draußen zu krampfen, ist reiner Distinktionstrieb. Klar ist das uncool, wenn man auf depri macht, nur um sich abzugrenzen und einer bestimmten Gruppe anzugehören.
Sehnsucht nach echten Gefühlen
Aber warum läuft man gleich Gefahr, als uncool abgestempelt zu werden, sobald man zugibt, dass man das Leben eben manchmal auch hart und schwierig findet? Besagter Bekannter übrigens besucht regelmäßig so genannte poetry slams, literarische Vortrags-Wettbewerbe, und kreischt dort vor Vergnügen, immer wenn er was Witziges hört. Für die nachdenklichen Sachen hat er nur ein müdes Gähnen übrig. Der moderne Mensch verlangt eben nach Spaß und Action. Er will unterhalten werden – und echte, tiefe Gefühle sind nun mal nicht halb so leicht konsumierbar wie ihre sorgfältig konstruierte Parodie auf RTL und Pro7.
Aber die Sehnsucht nach dem Echten, Wahren, Authentischen bleibt. Gestern hab ich auf der Trendmafia in Berlin, einem kleinen Mode- und Kreativmarkt im alternativen Stadtteil Friedrichshain, poetische T-Shirts entdeckt: Die Leibchen sind mit Gedichten von Rilke, Hesse und Hölderlin bedruckt - eine süße Idee. Mit so einem Shirt beschränkt sich deine poetische Ader nicht nur aufs heimische Bücherregal. Nein, mit dem Textil denkt jeder, der dir auf die vor lauter Lyrik stolz geschwellte Brust blickt, gleich: Oha, der mir da entgegenkommt, der kennt sich aus mit deutschen Dichtern. Der ist gebildet! Der hat bestimmt studiert! Auch wenn bei dir zu Hause nur Donald Duck-Comics als Klolektüre herumliegen.
Dazu muss ich noch einen letzten Schwank loswerden: eine sehr belesene, ältere Freundin erzählte mir neulich von einer neuen Bekanntschaft mit einem Mann. Das erste Mal in seiner Wohnung sei sie total beeindruckt gewesen von seinem bis obenhin mit Klassikern und Philosophen gefüllten Bücherregal. Bis sie eines der Bücher herausnahm – und eine Attrappe in der Hand hielt! Das ganze Regal war nur eine Fassade. Da ist ein bisschen Emo sein dann wohl doch das kleinere Übel.

Izima Kaoru ist der Meister der Todes-Ästhetik
Die beiden Mädchen liegen zusammen auf einem Plüschbett. Sie haben sich die Haare zu Locken gedreht, tragen sehr kurze Röcke und hohe Stiefel von Vivienne Westwood. Sie liegen einander abgewendet, nur ihre Fingerspitzen berühren sich. Sie scheinen zu schlafen. Aber sie schlafen nicht. Sie sind tot.
Der Mann, der von solchen Szenen träumt, heißt Izima Kaoru. Er ist Modefotograf und hat eine recht eigenwillige Vorstellung von Ästhetik: Alle seine Bilderstrecken zeigen hübsche Frauen - mitunter auch hübsche Männer - die ermordet in der Gegend herumliegen.
Seine Fotos sind perfekt inszeniert. Kaoru überlässt nichts dem Zufall und erzählt mit seinen Strecken Geschichten. Wie die der Schauspielerin Igawa Haruka, die in einem violetten Nichts von Dolce & Gabbana auf einer einsamen Autobahnbrücke liegt und bei der nur eine winzige Wunde am Schlüsselbein den Todesschuss verrät. Oder die von UA, einem japanischen Pop-Sänger, der in Frauenkleidern und Pumps auf einer hügeligen Graslandschaft an der japanischen Küste liegt, den Pfeil, mit dem er getötet wurde, noch in der Brust steckend.
Die Tote erkennt man erst auf den zweiten Blick
Kaoru ist nicht nur Fotograf, sondern auch Regisseur seiner Bilder: Zuerst sieht man nur eine Landschaft. Die Tote darin erkennt man erst auf den zweiten Blick – in Form eines kleinen Fleckens in der Ferne. Mit jedem Bild rückt der Betrachter dann näher an die Leiche heran, bis sie auf dem letzten Bild zum Greifen nahe erscheint. Diese Arbeitsmethode erinnert an seine Zeit als Videokünstler und Werbefilmer in den späten Siebziger und frühen Achtziger Jahren. Damals war der Japaner noch weitgehend unbekannt und seine Ideen fanden nur wenig Zuspruch.
In dieser Zeit entstand auch die Grundidee für seine heutigen Arbeiten, die Reihe „Zyoyu Satuzin Ziken“, zu Deutsch „Serienmord an Schauspielerinnen“. Den Chefredakteuren der damaligen Modemagazine war sein Konzept zu schräg. Der junge Fotograf bekam eine Absage nach der anderen. Doch er ließ sich nicht beirren und gründete 1994 sein eigenes Magazin, „Zyappu.“ Das Heft war das einzige japanische Modemagazin, das nicht in japanischen Zeichen, sondern komplett in westlichen Buchstaben gedruckt wurde. Der Titel „Zyappu“ ist eine abwertende Bezeichnung für Japaner und japanischstämmige Einwanderer und lässt sich in etwa mit dem deutschen Ausdruck „Japse“ übersetzen. Mit seinem hippen Magazin „Zyappu“ gab Izima Kaoru einem ursprünglich negativ besetzten Begriff eine neue, positive Seite.
Zerfetztes Fleisch ist nicht sein Ding
Auf dieselbe Art und Weise funktionieren seine Fotos: Klaffende Wunden, auslaufende Organe und zerfetztes Fleisch sind nicht Kaorus Ding. Stattdessen Haar, das perfekt um das Gesicht der Opfer fließt und Blutstropfen, die sich zart an seiner Wange entlang schlängeln. In dieser Inszenierung verliert der Tod seine Hässlichkeit. Wenn man den Künstler fragt, was ihn an Leichen so fasziniert, antwortet er: „they are sexy.“ So eine Aussage ist nicht nur Provokation. In Japan wird mit dem Tod anders umgegangen als in Europa. In der traditionellen japanischen Literatur und Kunst gibt es eine Unmenge an Verknüpfungen zwischen dem Tod und der körperlichen Liebe. Der Zustand höchster Körperlichkeit und der Tod zeigen beide je eine Seite der Vergänglichkeit des Menschen. Deshalb gilt ein dramatisch inszenierter Tod in Japan auch heute noch als heldenhaft und erotisch – auch wenn er nur auf dem Foto stattfindet.
Kaorus Bilder kommen gut an auf dem Kunstmarkt: In seiner Heimat gilt er längst als Berühmtheit und auch in den USA und in Deutschland ist Kaoru schwer im Kommen: Seine Bilder werden in der internationalen Kunstszene als „the next big thing“ gehandelt. Aber auch bei Models und Schauspielerinnen ist der Fotograf sehr beliebt. Wer sich von Kaoru ablichten lassen will, muss mittlerweile schon gut zwei Jahre darauf warten. Kato Ai und Nakashima Mika, die beiden Leichen auf dem Plüschbett, können sich freuen: Sie haben ihre Fotos von Izima Kaoru bereits. Die beiden Models sind quicklebendig – und ihre toten Abbilder hängen jetzt zu Hause über dem Sofa.