Archiv der Kategorie ‘Jugendkultur‘

Berlin Fashion Week

Samstag, den 19. Juli 2008

Underground Catwalk, U5, 17.07.08

 

Where are all the poets gone?

Sonntag, den 8. Juni 2008

Bildquelle: “Emo”, Fotocommunity, Fotograf: Nachtschicht 

„Igitt, du bist ja voll der Emo!“ , kommentierte ein Bekannter neulich die Tatsache, dass ich auf meinem Blog auch Gedichte veröffentliche. Hm. Emos sind dem Cliché nach Jugendliche mit schwarz-pink gefärbten und asymmetrisch geschnittenen Haaren, die in der Öffentlichkeit weinen und sich kleiden wie depressive Mangafiguren. Ich bin definitiv kein Emo. Ich will auch keiner sein. Seinen Weltschmerz auf diese Weise nach draußen zu krampfen, ist reiner Distinktionstrieb. Klar ist das uncool, wenn man auf depri macht, nur um sich abzugrenzen und einer bestimmten Gruppe anzugehören.

Sehnsucht nach echten Gefühlen

Aber warum läuft man gleich Gefahr, als uncool abgestempelt zu werden, sobald man zugibt, dass man das Leben eben manchmal auch hart und schwierig findet? Besagter Bekannter übrigens besucht regelmäßig so genannte poetry slams, literarische Vortrags-Wettbewerbe, und kreischt dort vor Vergnügen, immer wenn er was Witziges hört. Für die nachdenklichen Sachen hat er nur ein müdes Gähnen übrig. Der moderne Mensch verlangt eben nach Spaß und Action. Er will unterhalten werden – und echte, tiefe Gefühle sind nun mal nicht halb so leicht konsumierbar wie ihre sorgfältig konstruierte Parodie auf RTL und Pro7.

Aber die Sehnsucht nach dem Echten, Wahren, Authentischen bleibt. Gestern hab ich auf der Trendmafia in Berlin, einem kleinen Mode- und Kreativmarkt im alternativen Stadtteil Friedrichshain,  poetische T-Shirts entdeckt: Die Leibchen sind mit Gedichten von Rilke, Hesse und Hölderlin bedruckt - eine süße Idee. Mit so einem Shirt beschränkt sich deine poetische Ader nicht nur aufs heimische Bücherregal. Nein, mit dem Textil denkt jeder, der dir auf die vor lauter Lyrik stolz geschwellte Brust blickt, gleich: Oha, der mir da entgegenkommt, der kennt  sich aus mit deutschen Dichtern. Der ist gebildet! Der hat bestimmt studiert! Auch wenn bei dir zu Hause nur Donald Duck-Comics als Klolektüre herumliegen.

Interior Design-Mimikry

Dazu muss ich noch einen letzten Schwank loswerden: eine sehr belesene, ältere Freundin erzählte mir neulich von einer neuen Bekanntschaft mit einem Mann. Das erste Mal in seiner Wohnung sei sie total beeindruckt gewesen von seinem bis obenhin mit Klassikern und Philosophen gefüllten Bücherregal. Bis sie eines der Bücher herausnahm – und eine Attrappe in der Hand hielt! Das ganze Regal war nur eine Fassade. Da ist ein bisschen Emo sein dann wohl doch das kleinere Übel.